Gastweltmacher – Gerhard Bruder

17. November 2025 – Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG)

Gastweltmacher

Gerhard Bruder

Gerhard Bruder

1. Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen und was begeistert Sie bis heute an Ihrer Arbeit?

Ich bin gelernter Koch und das bleibt immer ein Teil von mir. Schon früh hat mich fasziniert, was gutes Essen ausmacht: wie es Menschen verbindet, wie viel Verantwortung darin steckt und welche Geschichten sich hinter jedem Gericht verbergen.

Über die Jahre habe ich viele Stationen in der Gastronomie erlebt, aber irgendwann wollte ich mehr verstehen: Was steckt eigentlich hinter dem System, das Menschen täglich ernährt? Daraus ist das Institute of Culinary Art entstanden, ein Ort, an dem wir die Brücke zwischen Praxis, Ausbildung und Wissenschaft schlagen.

Mich begeistert bis heute, dass wir in dieser Branche nie stehen bleiben. Ernährung betrifft jeden von uns, jeden Tag, und wer hier gestaltet, gestaltet immer auch ein Stück Gesellschaft mit.

2. Viele sagen: Gastronomie ist mehr als Essen und Trinken – es sind Treffpunkte, Orte der Begegnung und des Zusammenhalts. Wie erleben Sie das mit Ihren Gästen und Ihrem Team?

Das kann ich nur bestätigen. Gastronomie ist ein sozialer Raum und vielleicht einer der letzten Orte, an denen echte Begegnung ganz selbstverständlich passiert.
Wenn Menschen gemeinsam essen, teilen sie nicht nur ein Menü, sondern auch Gespräche, Nähe, Erlebnisse. Diese Momente sind wichtig, gerade in einer Zeit, in der vieles digital wird.

In meiner Arbeit sehe ich oft, wie sehr uns diese Orte besonders während der Pandemie gefehlt haben. Kantinen, Restaurants oder Mensen sind nicht nur Versorger, sondern Teil unserer gesellschaftlichen Infrastruktur. Sie geben Struktur, schaffen Zugehörigkeit und machen Gemeinschaft im Alltag möglich.

3. Welche Bedeutung hat die geplante Absenkung der Umsatzsteuer auf 7 % für Sie und was würde passieren, wenn sie nicht käme?

Die Steuerfrage ist kein Randthema, sondern ein Symbol dafür, welchen Wert wir Gastlichkeit und Ernährung in diesem Land beimessen. Eine Senkung auf sieben Prozent wäre ein Beitrag zur Zukunftssicherung eines Sektors, der tagtäglich dafür sorgt, dass Menschen gut und mit Qualität versorgt werden.

Wenn sie ausbleibt, wird der Druck größer: auf Preise, auf Qualität, auf die, die sich ohnehin schon schwer tun, wirtschaftlich zu bestehen. Es geht hier nicht nur um betriebswirtschaftliche Kennzahlen, sondern um den Zugang zu guter Ernährung in Schulen, Kitas, Betrieben und Pflegeeinrichtungen.

Ich finde: Essen sollte nicht vom Geldbeutel abhängen. Es ist Teil von Lebensqualität und Würde und das sollte sich auch in der politischen Haltung widerspiegeln.

„Wenn Menschen gemeinsam essen, teilen sie nicht nur ein Menü, sondern auch Gespräche, Nähe und Erlebnisse. Diese Orte des Miteinanders sind wichtiger, als wir manchmal glauben.“

Gerhard Bruder – Institute of Culinary Art (ICA)

Hintergrund

Gastwelt

Die Gastwelt ist ein vom Fraunhofer IAO und der Denkfabrik im Jahr 2022 neu konzipierter Dienstleistungssektor, der Gastlichkeit und Lebensqualität als gemeinsames Serviceprodukt in den Mittelpunkt stellt. Die Gastwelt ist durch ihre 250.000 mittelständischen Betriebe eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft und mit 6,2 Millionen Mitarbeitenden der zweitgrößte Arbeitgeber Deutschlands. Sie setzt sich aus den Gastwelt-Sektoren Beherbergung, Gastronomie, Foodservice, Tourismus und Freizeitwirtschaft zusammen und prägt damit den Alltag von Millionen Menschen. Als Arbeitgeber, Standortfaktor und Innovationsmotor trägt die Gastwelt maßgeblich zur wirtschaftlichen Stabilität bei und schafft als #HerzUnsererGesellschaft Orte der Begegnung und des sozialen Miteinanders. Ihre enge Verzahnung mit Handel, Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur macht sie zu einer unverzichtbaren Querschnittsbranche mit Millionen Arbeitsplätzen und hoher Standorttreue.

DZG

Die 2021 gegründete Denkfabrik Zukunft der Gastwelt (DZG) vernetzt auf Bundesebene Politik, Wissenschaft, Verbände und hochkarätige Vertreter aller Wertschöpfungssektoren der Gastwelt (Tourismus, Hospitality, Foodservice & Freizeit). Der interdisziplinäre und überparteiliche Thinktank fokussiert sich inhaltlich auf strategische Zukunftsthemen – wie Arbeitskräftesicherung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit, Digitalisierung und KI – und entwickelt praxisnahe Maßnahmen zur effektiveren Krisenbewältigung.

Die über 200 Mitgliedsunternehmen und Partner der Spitzenorganisation (wie z.B. die Radeberger Gruppe, Deutsche Bahn, Unilever Food, Motel One, Transgourmet, Metro, Center Parcs, Dorint, Bioland, Dussmann, NordCap, Best Reisen, FlixBus, Booking.com, Gerolsteiner) beschäftigen zusammen über 740.000 Mitarbeitende in allen Regionen Deutschlands. Außerdem engagieren sich über 20 führende Verbände und Organisationen aus allen fünf Gastwelt-Sektoren (wie z.B. die Hoteldirektorenvereinigung Deutschland HDV, der Verband Deutscher Freizeitparks VDFU, der Verband Internet Reisevertrieb VIR, der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen, die Deutsche Barkeeper-Union DBU, die Jeunes Restaurateurs Deutschland JRE, der Industrieverband Haus-, Heiz und Küchentechnik HKI) in der DZG.

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